Der Bunker von Kienbaum

Hintergrund:

tl_files/tom-weller/fotos/Bunker vierer2.jpgKienbaum ist ein kleines abgelegenes Dorf, etwa 30 Kilometer östlich von Berlin. Das Dorf liegt mitten in einem idyllischen Wald- und Seengebiet und flachen, sandigen Landschaften. Weit entfernt ist in dieser Landschaft der Gedanke an Gebirgslandschaften oder Gipfelhöhen. Umso seltsamer ist es, dass die DDR-Spitzen-sportler_innen gerade hier in Kienbaum Höhentraining absolviert haben. Zehn Jahre lang simulierten DDR-Sportwissenschaftler_innen in einer Unterdruckkammer Höhentrainingsbedingungen bis zu 4000 Meter. Unter genau dosiertem Sauerstoffentzug wurden die Bedingungen simuliert, wie man sie in den entsprechenden Höhenlagen im Gebirge vorfindet. Ab 1980 fuhr deshalb kein DDR-Team mehr zum Höhentraining nach Bulgarien, sondern ging stattdessen in den Bunker von Kienbaum, der bezüglich Idee und Konzeption zum damaligen Zeitpunkt einmalig auf der Welt war. Seine Existenz wurde streng geheim gehalten. Kienbaum war bereits zu DDR-Zeiten kein gewöhnliches Dorf, sondern bereits seit 1955 auch eine Leistungssportschule. Auch heute trainieren noch Spitzensportler_innen und Nationalkader unterschiedlicher Sportarten in der Sportschule Kienbaum. Höhentraining im Bunker macht heute aber niemand mehr in Kienbaum, die Anlage ging 1990 außer Betrieb. Seitdem liegt die Kammer in einer Art Dornröschenschlaf.

 

Planung:

Geplant ist es, in Kienbaum eine filmische Reise in die Sportvergangenheit der DDR zu unternehmen. Ziel- und Ankerpunkt dieser Reise wird der Bunker sein. Ich war im Laufe meiner Recherchearbeiten für einen Tag in der Anlage und habe Fotos gemacht. Es war wie eine Zeitreise in eine andere Welt: im Trainerkontrollraum, im Schleusenvorraum und in den Trainings- und Betreuungsräumen steht alles noch so da, als hätten die Trainer_innen und Sportler_innen den Bunker gerade eben nur kurz verlassen. Die Schleuse, in der die Athlet_innen sitzen mussten, während die Luft abgelassen wurde, erinnert an eine U-Boot-Schleuse, genauso die kleine Schleuse daneben, durch die drei mal täglich das Essen in den Bunker gebracht wurde.

Zu DDR-Zeiten durften nur ausgesuchte Menschen diesen Ort betreten. Alle, die in den Bunker kamen, mussten eine Verschwiegenheitserklärung abgeben: Sportler_innen, Trainer_innen sowie das Technik-, Putz- und Wachpersonal. Nun will ich die Chance nutzen, diese Menschen zu Wort kommen zu lassen. Mich interessieren dabei die persönlichen Geschichten und Erlebnisse, die sich hinter diesen dicken Eisentüren ergaben. Momentan bin ich auf der Suche nach Menschen, die darüber erzählen möchten. Ziel des Films ist es, über einen geheim gehaltenen „Mikrokosmos“ zu berichten und es geht definitiv nicht darum, die DDR-Sportpolitik pauschal zu verurteilen.

 

Format:

Dokumentarfilm-Projekt in geplanter Zusammenarbeit mit Hermannfilm-Filmproduktion Berlin. Als Endformat ist ein Dokumentarfilm von 45 bis 60 Min. Länge geplant.